TSG 1860 Münden e.V.

 

  

 

Aus der Festzeitschrift zum 125 jährigen Jubiläum

125 Jahre Sport in Münden

Zur Entstehung der Turn- und Sportgemeinschaft von 1860 Münden e.V.

 

Als am 18.01.1938 nach längerer Vorbereitung der erste größere Zusammenschluss der Mündener Turn- und Sportvereine mit Gründung der TSG erfolgte, ahnte sicher niemand, dass nur knapp 8 Jahre später einige der Gründungsvereine wieder eigenständig unter altem Namen nach dem 2. Weltkrieg das 125 jährige Jubiläum feiern würden.

 

Entstanden ist die TSG von 1860 durch den Zusammenschluss der drei Mündener Vereine

Turngemeinde von 1860

Spielvereinigung Hellas von 1906

und

Verein für Fortbildung

 

Der zuletzt genannte Verein für Fortbildung ist erst 1929 aus einer Namensänderung entstanden. Ursprünglich hieß der Verein Arbeiter-Bildungs-Verein zu Hann. Münden. Er hat von den Vorgängervereinen der TSG die längste Tradition, kann er sich doch auf das Gründungsjahr 1849 berufen. Der andere Gründungsverein, die Turngemeinde, ist 1930 aus dem Zusammenschluss von drei Mündener Turnvereinen entstanden, nämlich

Männer-Turnverein Münden (gegründet 1860)

Turnerbund Münden (gegründet 1897)

und

Turnverein Neumünden (gegründet 1904).

 

Die Spielvereinigung "Hellas" von 1906 geht zurück auf den ersten Mündener Fußball-Club M.F.C. Victoria (gegründet 1906).

 

Der älteste unserer Vorgänger-Vereine, der Arbeiter-Bildungs-Verein (ABV), hatte es sich zum Ziel gesetzt seinen Mitgliedern eine bessere Allgemeinbildung und Fortbildung angedeihen zu lassen. Wie aus fast lückenlos vorhandenen, damals handgeschriebenen Statuten und Protokollen von Anfang der 60iger Jahre des vorigen Jahrhunderts hervorgeht, wurde nicht nur eine später verhältnismäßig umfangreiche Bibliothek eingerichtet, sondern zur Pflege des Männergesangs eine Liedertafel gegründet. 1864 auch eine vereinseigene tatkräftige Feuerwehr. Die Mitglieder setzten sich damals aus allen Kreisen der Bevölkerung zusammen, es waren Arbeiter, Handwerksmeister, Kaufleute, Senatoren und Lehrer vertreten. Letztere widmeten sich besonders den jugendlichen Mitgliedern mit zusätzlichem Unterricht in schulischen Fächern. Unter dem Vorturner und späteren Vereinspräsidenten Carl Steinmetz wurde 1860 in dem damals ca. 150 Mitglieder zählenden ABV eine Turnerriege gegründet, die regelmäßig 40 bis 60 Turner zählte. Obwohl Steinmetz schon 1864 nach Amerika auswanderte, wurde die Männertunrriege beibehalten und erfuhr 1893 unter dem Lehrer Sudhoff eine Neubelebung. Sie bestand aus 54 Mitgliedern, davon 19 Jugendlichen. Später kam eine Frauenriege hinzu. Die Turner schlossen sich 1896 der Deutschen Turnerschaft an und nahmen regelmäßig erfolgreich an Turnfesten teil. Aus heutiger Sicht ist es besonders erwähnenswert, dass der Arbeiter-Bildungs-Verein schon 1877 eine eigene Sterbekasse mit dem Ziel gegründet hat, die Hinterbliebenen von verstorbenen Mitgliedern zu unterstützen. 1925 bildeten sich Faustball- und Schlagballmannschaften, 1926 und 1927 gesellten sich je eine Handball- und Fußballabteilung hinzu. Der ab 1929 unter dem Namen "Verein für Fortbildung" fortgeführte Verein ging dann 1938 mit weit über 200 Mitgliedern in den neugegründeten Verein Turn- und Sportgemeinschaft von 1860 auf. Besonders bemerkenswert erscheint es, dass von 1860 an bis 1936 nicht wenige Vereinsvorsitzende, Vorstandsmitglieder und Vorturner zugleich im damaligen Männer-Turn-Verein mitwirkten und es auch bei vielen Mitgliedern Doppelmitgliedschaften gab.

 

Die Spielvereinigung "Hellas" von 1906 besaß bis zum Zusammenschluss 1938 die dominierende Fußballabteilung am Ort. Daneben brachte dieser Verein die Sparten Leichtathletik, Schwimmen, Rudern und Boxen in die neu begründete TSG ein.

 

Wie schon im 1. Weltkrieg, wurde in noch stärkerem Maße durch den 2. Weltkrieg der Sportbetrieb erheblich eingeschränkt und kam dann zum Erliegen. Wenn wir heute im Jahre 1985 bei Gründung der Vereine gedenken, aus denen unser Verein hervorgegangen ist, so ist für viele unserer Mitglieder kaum vorstellbar, unter welch schwierigen Bedingungen nach dem 2. Weltkrieg der Wiederaufbau des Sports in Münden ganz allgemein und die Wiedergründung unseres Vereins vonstatten ging. Von unseren aktiven Sportlern kehrten viele nicht aus dem Kriege zurück, die Bevölkerung litt unter den Kriegsfolgen und unser Vereinsvermögen war beschlagnahmt. Durch Anordnung der Britischen Militärregierung war es den Vereinen untersagt, unter altem Namen fortzubestehen. Die TSGer unter Führung des damaligen Bürgermeisters der Stadt Münden

Ludwig Dörfler meldeten den Verein unter dem Namen "Volkssportvereinigung Hann. Münden" (VSV) an und die Militärregierung erkannte diesen Verein als Rechtsnachfolger der Turn- und Sportgemeinschaft von 1860 Münden an. Da in Münden zunächst nur ein Verein zugelassen wurde, vereinigten sich in ihm nach und nach alle Sportarten, neben den ballspielenden Mannschaften also auch die Turner, Ruderer, Kanuten, Boxer und vieles andere mehr, sogar eine Skiabteilung und eine Radsportabteilung gab es damals. Deshalb hatte der Verein auch nach kurzer Zeit weit mehr als 1.000 Mitglieder. In einer eigens dazu einberufenen außerordentlichen Mitgliederversammlung vom 25.08.1947 haben die Mitglieder dann einstimmig den alten Namen "Turn- und Sportgemeinschaft von 1860" wieder beschlossen.

 

Schon in den ersten Nachkriegsjahren konnten die Sportler der TSG beachtliche Erfolge erzielen, besonders auch in den Sportarten, die sich später wieder vom Verein abwandten, um sich selbst als Verein zu etablieren oder um sich wieder unter altem Namen zu gründen.

 

Besondere Aktivitäten gingen damals von der Leichtathletikabteilung aus, die unter ihrem Abteilungsleiter Dr. Herbert Suermann (zur gleichen zeit auch einige Jahre 2. Vorsitzender) mit etwa 80 Mitgliedern einige Norddeutsche Meister in ihren Reihen hatte.

 

Dazu zählen so erfolgreiche Aktive wie zum Beispiel:

Erwin Blask (weltrekordinhaber im Hammerwurf)

Dorle Blask, geb. Vogt (Deutsche Meisterin der 100m)

und

Karl Heinz Reinhard (norddt. Speerwurfmeister)

 

Unser Verein hat zur zeit 850 Mitglieder. Zu den Fußballern und Handballern gesellten sich neue Abteilungen wie Badminton (1960), Kinderturnen und Frauen-Gymnastik (1964), volleyball (1972) und Wandern (1975). Über die entwicklung dieser einzelnen Sportarten wird jede Abteilung noch gesondert an anderer Stelle dieser Festschrift berichten.

 

Einen besonderen Aufschwung nahm unser Verein in den 50iger und 60iger Jahren, was sich u.a. in der stetig steigenden Mitgliederzahl zeigt. In besonderer Weise ist diese Entwicklung unserem früheren Vorsitzenden und langjährigem Ehrenvorsitzenden Rudolf Stiefel und in gleicher Weise auch seinem Nachfolger, unserem früheren Vorsitzenden Dr. Heinz Strack zu verdanken. Beide waren dem Sport ganz allgemein und dem Fußball im besonderen eng verbunden und beide waren auch hervorragende Förderer der Sportjugend in der TSG wie auch in anderen Mündener Vereinen. Deshalb war es nicht verwunderlich, dass wir Mitte der 70iger Jahre über 950 Mitglieder erreichten und damals wie heute über die Hälfte der Mitglieder Kinder und Jugendliche waren.

 

Karl Pröschold und H.W. Leopold

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